Alltag mit zwei Cochlea-Implantaten

Eine Patientin berichtet über den Zugewinn an Lebensqualität durch eine beidseitige CI-Versorgung.

Ich bin spätertaubt und nun seit vielen Jahren beidseitig mit CI versorgt. Vielleicht können meine Erlebnisse jemandem helfen, der jetzt in der Situation ist, entscheiden zu müssen, wie es mit seinem Hören weitergehen soll.

In den 1990er Jahren konnte ich immer weniger Sprache verstehen. Meinen Beruf (ich war Lehrerin) konnte ich kaum mehr ausüben, meine privaten Kontakte litten unter meinem Nicht-verstehen, bei Familien- oder Freundesfesten stand ich am Rande und bekam nichts mit, in der Öffentlichkeit behandelte man mich wegen meiner vielen Nachfragen als wäre ich begriffsstutzig,…

Die Hörgeräte waren damals noch analog und konnten mir überhaupt nicht helfen, weil sie alle Geräusche verstärkten und demzufolge kein Gewinn für die Sprachverständlichkeit übrigblieb. Der Versuch mit einem Mittelohrimplantat konnte auch keine Erleichterung bringen. Ich bekam gesundheitliche Probleme und es ging mir immer schlechter.

Irgendwann sagte eine mich betreuende Hörgeräteakustikerin zu mir, dass es kein Wunder sei, dass ich so erschöpft sei. Die Anstrengung, etwas zu verstehen, sei ja wie Steine schleppen für mich. Ich solle mich mal beraten lassen, ob mir ein CI helfen könnte. Und das war’s.

Hier, im CIC Berlin-Brandenburg, wurde ich von Mitarbeitern und von Betroffenen informiert und es wurden alle Hörtests mit mir durchgeführt, sodass ich mich entscheiden konnte, mein erstes CI zu wollen.

Und welch ein Segen! Der erste Vogel, den ich wieder hörte, der Blinker im Auto, die Worte von vertrauten Personen, das erste Instrument, das ich wiedererkannte. Ich weinte vor Freude und Rührung mit der Mitarbeiterin, die die Einstellungen bei mir vornahm und mich auch weiter betreute.  Ich will nicht verschweigen, dass noch ein gut Stück Arbeit vor mir lag. Hier im Hause konnte ich an Sprachverständnistrainingskursen teilnehmen, ich übte, wieder Musik hören zu können und vieles mehr. Meinen Beruf hatte ich aufgeben müssen, weil man damals nur ganz und mit allen Verpflichtungen Lehrerin hätte sein können. Aber ehrenamtlich konnte ich noch jahrelang vielen Kindern helfen, lesen zu lernen und daran Spaß zu haben. Nach drei Jahren bekam ich ein zweites CI für die andere Seite, weil der menschliche Kopf ja so angelegt ist, mit zwei Ohren zu hören.

Seither habe ich immer weiter dazugelernt. Ich kann meine Enkel hören, mit ihnen spielen und toben und lachen. Welch ein Geschenk! Ich kann wieder ins Konzert gehen, ja, inzwischen sogar wieder ins Sprechtheater, mit Einschränkungen, denn wenn die Schauspieler schreien und weinen und lachen, verstehe ich noch immer nicht. Und auch wenn jemand nicht deutlich genug spricht ist es schwierig. Die Durchsagen im öffentlichen Raum bleiben ein Problem… Ich werde nie wieder wie ein Hörender hören. Aber der Gewinn an Lebensqualität ist überwältigend.

Brigitte E.-N.